Wie die Angabe von Frischfleisch bei einem Trockenfutter zu bewerten ist, habe ich ich meinem letzten Beitrag schon erläutert, den Sie hier noch einmal nachlesen können. Heute möchte ich Ihnen zwei verschiedene Etikettangaben für dieselbe Zusammensetzung eines Futters zeigen, die ich im Internet bei der Recherche zu dem Thema „Frischfleisch im Trockenfutter“ zufällig entdeckt habe.

Dass Hersteller gleiche Futter für unterschiedliche Label herstellen ist legitim und daran gibt es auch nichts Verwerfliches zu sehen. Selbst ein Hersteller eines hochwertigen Bio-Nassfutters bietet diese Möglichkeit an.

Irreführend sind allerdings zwei unterschiedliche Angaben des Fleischgehaltes für ein und dieselbe Zusammensetzung! Die weiteren Zutaten, die Werte der analytischen Bestandteile und die ernährungsphysiologischen Zusatzstoffe sind völlig identisch.

Sehen Sie sich dazu die Etiketten an:

Futter 1

Zusammensetzung:
60% Wildfleisch (getrocknet und gemahlen – entspricht 928 g Frischfleisch pro 1000 g Vollnahrung), Kartoffelmehl, Kartoffelflocken, Rapsöl, Apfel, 1% Honig, 1% Grüner Tee, 1% Kokosöl, Pastinaken, Karotte, Kamille, Brennessel, Schwarzkümmel, Johannisbrotkernmehl, Mineralstoffe.

Analytische Bestandteile:
22,0 % Protein, 11,0 % Fettgehalt, 2,0 % Rohfaser, 9,2 % Rohasche, 1,3 % Calcium, 1,0 % Phosphor
Umsetzbare Energie 13,26 MJ entspricht 3167 Kcal je kg.

Ernährungsphysiologische Zusatzstoffe:
Vitamine je kg:
Vitamin A 12000 I.E., Vitamin D3 1200 I.E., Vitamin E * 70mg/kg, Vitamin B1 10mg/kg, Vitamin B2 10mg/kg, Vitamin B6 6mg/kg, Vitamin B12 30mcg/kg, Biotin 250mcg/kg, Pantothensäure 20mg/kg, Niacin 40mg/kg, Folsäure 2mg/kg.

Spurenelemente je kg:
Eisen 175mg/kg, Zink 125mg/kg, Kupfer ** 10mg/kg, Kobalt 0,4mg/kg, Mangan 20mg/kg,  Jod 2mg/kg,  Selen 0,3mg/kg.

Futter 2

Zusammensetzung:
31% Wildfleisch (getrocknet und gemahlen – entspricht 928 g Frischfleisch pro 1000 g Vollnahrung), Kartoffelmehl, Kartoffelflocken, Rapsöl, Apfel, 1% Honig, 1% Grüner Tee, 1% Kokosöl, Pastinaken, Karotte, Kamille, Brennessel, Schwarzkümmel, Johannisbrotkernmehl, Mineralstoffe.

Analytische Bestandteile:
22,0 % Protein, 11,0 % Fettgehalt, 2,0 % Rohfaser, 9,2 % Rohasche, 1,3 % Calcium, 1,0 % Phosphor
Umsetzbare Energie 13,26 MJ entspricht 3167 Kcal je kg.

Ernährungsphysiologische Zusatzstoffe:
Vitamine je kg:
Vitamin A 12000 I.E., Vitamin D3 1200 I.E., Vitamin E * 70mg/kg, Vitamin B1 10mg/kg, Vitamin B2 10mg/kg, Vitamin B6 6mg/kg, Vitamin B12 30mcg/kg, Biotin 250mcg/kg, Pantothensäure 20mg/kg, Niacin 40mg/kg, Folsäure 2mg/kg.

Spurenelemente je kg:
Eisen 175mg/kg, Zink 125mg/kg, Kupfer ** 10mg/kg, Kobalt 0,4mg/kg, Mangan 20mg/kg,  Jod 2mg/kg,  Selen 0,3mg/kg.

Der Unterschied der beiden Angaben liegt lediglich im Fleischanteil bei gleichen Analysewerten:

Futter 1: 60% Wildfleisch (getrocknet und gemahlen – entspricht 928 g Frischfleisch pro 1000 g Vollnahrung)

Futter 2: 31% Wildfleisch (getrocknet und gemahlen – entspricht 928 g Frischfleisch pro 1000 g Vollnahrung)

Im Futter 2 wird korrekterweise die tatsächliche Fleischmenge mit 31% im getrockneten und gemahlenem Zustand angegeben. Somit bestehen die restlichen 69% vorwiegend aus Kohlenhydratquellen, wie in der Zutatenliste zu sehen ist.

Im Futter 1 wird dagegen suggeriert, dass selbst das getrocknete Fleisch einen Anteil von 60% in der Nahrung ausmacht. In diesem Fall dürfte man nicht von 1000g Vollnahrung ausgehen, sondern müsste mit 1547g rechnen, wovon dann tatsächlich 60% die 928g Frischfleisch entsprächen. Die Differenz von 619g (40%) machen dabei den Anteil der anderen Bestandteile der Zutatenliste aus, wobei diese einen viel geringeren Feuchtigkeitsgehalt besitzen, als das Frischfleisch.

Um aus diesen Zutaten ein Trockenfutter herzustellen, wird die Feuchtigkeit entzogen, was bei Fleisch einen Anteil von ca. 70% ausmacht. Von 928g Frischfleisch würden getrocknet knapp 300 übrig bleiben. Addiert man nun die Menge der restlichen Bestandteile hinzu (619g), kommt man auf eine Menge von gut 900g, wobei der Rest zu 1000g Vollnahrung der Feuchtigkeitsgehalt ist (bei Trockenfutter liegt er im Durchschnitt zwischen 8 und 10%).

Man erhält praktisch den gleichen Fleischanteil von 31%, der auf dem 2. Etikett ehrlicherweise angegeben wurde, nur würde es wahrscheinlich niemand für eine Beurteilung auf diese Weise nachrechnen.

Fazit:

Es ist zwar kein echter Etikettenschwindel, aber durch diesen rechnerischen Trick wird dem Verbraucher ein viel zu hoher Fleischanteil in dem Futter suggeriert. Für einen Laien kann es zu der Kaufentscheidung führen, in dem Glauben,  ein artgerechtes Futter für seinen Hund zu bekommen.

Lassen Sie sich nicht blenden und rechnen Sie mit Hilfe der Angaben der analytischen Bestandteile auf dem Etikett immer den Kohlenhydratanteil aus. Der prozentuale Anteil an der Gesamtenergie sollte 10% +/- 5 % betragen, was bei den meisten Trockenfutter sowieso um ein Vielfaches überschritten wird. Nutzen Sie dazu gerne meinen Rechner.

Eine bessere Variante, die ich jedem Trockenfutter vorziehen würde, ist die Selbstzubereitung, roh oder gekocht, oder ein hochwertiges Nassfutter in Beutetierzusammensetzung, bei dem Sie dem Hersteller vertrauen können. Für meine Tiere habe ich einen kleinen Betrieb, eine ehemalige Dorfmetzgerei, gefunden, die ehrliche Nahrung, artgerecht ohne jegliche künstliche Zusatzstoffe in den unterschiedlichsten Varianten herstellt. Ich habe sie schon besucht, die Produktion besichtigt und kenne die Inhaber persönlich. Melden Sie sich bei mir, ich gebe Ihnen gerne weitere Infos und berate Sie individuell.

Herzlichst,
Ihre Tanja Gerber


Tanja

Hallo, ich bin Tanja , zertifizierte Ernährungs- und Diätberaterin ATN für Hunde und Katzen. Auf diesem Blog möchte ich die Zusammenhänge einer natürlichen, artgerechten und gesunden Ernährung anhand verschiedener Ernährungsthemen verständlich erklären und Ihnen die natürliche Ernährung Ihrer Tiere wieder näher bringen. Dabei habe ich mich auf die Beratung mit chemiefreien Naturkostmenüs in Beutetierzusammensetzung spezialisiert, da sich nicht jeder das Wissen für eine selbst zusammengestellte Mahlzeit aneignen möchte oder kann, und es sehr schwer ist, sich in dem Futtermitteldschungel zurecht zu finden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.