… bis zum ausgewachsenen Hund“

In diesem Artikel möchte ich die Ernährung von Hunden in der Wachstumsphase näher erläutern, beginnend mit der Versorgung im Mutterleib, in den ersten Lebenswochen, was bei der Ernährung nach der Abgabe mit ca. 8 bis 12 Wochen zu beachten ist bis hin zum ausgewachsenen Hund.

Versorgung im Mutterleib

Zunächst einmal spielt die Gesundheit und der Ernährungszustand der Mutterhündin schon vor der Belegung eine große Rolle, damit es zu einer Entwicklung von gesunden Hundewelpen kommt. Sie sollte eine  natürliche, ausgewogene, bedarfsdeckende Nahrung bekommen und ein normales Körpergewicht haben. Der Energiebedarf der Hündin erhöht sich erst ab Ende der 4. Trächtigkeitswoche, da sich zunächst die inneren Organe der Früchte ausbilden, bevor es zum Größenwachstum kommt. Eine zu starke Gewichtszunahme der Mutterhündin während der Trächtigkeit kann zu Komplikationen während der Geburt führen, da durch das Übergewicht ein zu enger Geburtskanal entsteht.

Der Eiweißbedarf ist in der Zeit der Trächtigkeit erhöht und es sollte ebenso auf eine ausreichende Versorgung mit den fettlöslichen Vitaminen A, D, E geachtet werden, da diese nicht plazentagängig sind. Die Welpen im Mutterleib können nur geringe Reserven aufbauen und sind auf die Zufuhr der Vitamine durch die Muttermilch nach der Geburt angewiesen. Eine Über- oder Unterversorgung mit den fettlöslichen Vitaminen kann zu schweren Entwicklungsstörungen führen.

Eine Nahrungsergänzung mit Calcium und Phosphor zur Nahrung des Muttertieres ist nicht nötig, da der Mehrbedarf über die größere Futtermenge abgedeckt wird. Wichtig ist vor allem eine hohe Verdaulichkeit der Nahrung und eine Aufteilung auf mehrere kleinere Mahlzeiten am Tag, da es durch das Wachstum der Welpen im Mutterleib immer weniger Platz für die Nahrung gibt.

Das alles hört sich jetzt vielleicht etwas kompliziert an, aber durch eine hochwertige, natürliche und chemiefreie Nahrung, die der Beutetierzusammensetzung entspricht, wenig Bindegewebe und Kohlenhydrate nur in Maßen enthält, ist der höhere Bedarf der trächtigen Hündin an natürlichen Nährstoffen komplett gedeckt. Die Fütterungsmenge sollte natürlich dem erhöhten Energiebedarf ab der 4. Trächtigkeitswoche angepasst werden.

 

Ernährung der Welpen nach der Geburt

Ernährung eines Hundewelpen - von der Geburt bis zum ausgewachsenen HundIn den ersten Stunden nach der Geburt ziehen die Welpen ihre Energie für die Organfunktionen aus den Glykogenspeichern der Leber, des Herzens und der Lunge. Um diese Speicher im Mutterleib aufbauen zu können, ist eine Kohlenhydratversogung von ca. 10 bis 20 Prozent des Energiebedarfes der Mutter während der Trächtigkeit notwendig. Das ist immer noch recht wenig, da die restlichen 80 bis 90 Prozent aus Eiweiß und Fett bestehen (auf die prozentualen Energieanteile bezogen). Bei einer kohlenhydratfreien Ernährung können diese aus Eiweiß hergestellt werden, benötigen dazu aber mehr Energie und ist daher nicht empfehlenswert.

Nach der Geburt werden die Welpen ca. 3 bis 4 Wochen lang ausschließlich von der Mutterhündin gesäugt, sodass die gesunde Entwicklung also maßgeblich von der Ernährung der Mutter abhängt. Der Energiebedarf  der Hündin hängt von der Anzahl der Welpen ab und kann bei 8 Welpen das dreifache des Erhaltungsbedarfs ausmachen.

Weiterhin hat die Mutterhündin auch einen erhöhten Eiweißbedarf, der aber gut durch die erhöhte Futtermenge abgedeckt wird, wenn die Nahrung selbst der Beutetierzusammensetzung entspricht und nur mäßig Kohlenhydrate enthält. Wie schon oft erwähnt, sind Fette und nicht die Kohlenhydrate die Hauptenergielieferanten für Hunde.

Ernährung eines Hundewelpen - von der Geburt bis zum ausgewachsenen HundDie Muttermilch ist relativ fett- und eiweißreich. Fette können die Welpen sofort ab der Geburt gut verdauen, da von Anfang an das fettspaltende Enzym Lipase in der Bauchspeicheldrüse und im Magen gebildet wird. Auch die Eiweißverdauung funktioniert sofort, wenn auch nicht gleich über den üblichen Weg, da erst ca. ab dem 18. Tag die Salzsäureproduktion im Magen beginnt.

Bis dahin sind die jungen Welpen auch sehr anfällig für Infektionen, denn Mikroorganismen können fast ungehindert den Magen passieren. Aus diesem Grund ist die Versorgung der Welpen durch die Mutterhündin mit der Erstmilch, dem Kolostrum, auch sehr wichtig, damit Immunglobuline und andere Immunfaktoren von der Mutter auf die Welpen übertragen werden.

Kohlenhydratabbauende Enzyme werden in den ersten 3 bis 4 Monaten so gut wie gar nicht produziert. Eine übermäßige Zufuhr von Kohlenhydraten kann von den Welpen nicht verdaut werden und führt leicht zu Durchfällen. Lediglich die Lactase, das Enzym für die Aufspaltung des Milchzuckers, ist gleich nach der Geburt aktiv, sodass der Welpe den Milchzucker verwerten kann. Diese Funktion kann aber im Laufe der Zeit nachlassen und daher haben erwachsene Hunde oftmals Schwierigkeiten, Milchprodukte mit einem höheren Milchzuckeranteil zu verdauen.

 

Die erste Beikost

Ernährung eines Hundewelpen - von der Geburt bis zum ausgewachsenen HundAb der 3. bis 4. Lebenswoche, wenn das Interesse der Welpen an der Nahrung der Mutter wächst, kann Beikost angeboten werden. Dazu eignet sich ein Milchaustauscher, der auch mit Ziegenmilch selbst hergestellt werden kann. Zunächst sollte er flüssig angeboten, danach als Brei angerührt werden.

Der nächste Schritt ist die Verwendung der hoch verdaulichen Nahrung der Mutter, die mit etwas Wasser zu einem Brei angerührt werden kann. Zu Beginn der Zufütterung sollte sehr vorsichtig vorgegangen werden, damit der Verdauungstrakt der Welpen Zeit hat, sich an die ungewohnte Belastung anzupassen.

Nach und nach wird die Milchmenge der Mutter immer weiter reduziert und die Menge der Beikost, deren Wasserzugabe ebenfalls vermindert wird, erhöht. Wichtig dabei ist, dass die Nahrung hoch verdaulich ist, wenig Kohlenhydrate sowie keine minderwertigen Eiweiße enthält, weil die Nierenkapazität bis zum 3. Lebensmonat noch sehr eingeschränkt ist. Durch minderwertige Eiweiße entstehen größere Mengen an harnpflichtigen Substanzen, die die Nieren belasten können.

 

Die ersten Milchzähne

Mit ca. 5 bis 6 Wochen brechen die ersten Milchzähne durch und die Welpen könnten auch Fleischstückchen von großen fleischigen Knochen abreißen. Daher ist es auch möglich, Welpen gleich von Beginn an zu Barfen, wenn jemand es möchte. Natürlich sind dabei auch einige Aspekte zu beachten, die jetzt aber nicht Teil dieses Artikels sein sollen. Dazu müsste sich jeder bei Interesse speziell über das Thema „Barfen für Welpen“ informieren.

Das vollständige Absetzen von der Muttermilch ist erst in der 7. bis 8. Lebenswoche abgeschlossen. Allerdings muss auch hier geschaut werden, wie sich die Welpen entwickeln und wie lange die Hündin ihre Welpen säugen mag. Auch die Futtermenge als Beikost kann nicht ganz genau bestimmt werden. Wichtig ist in jedem Fall, dass eine Unter- bzw. Überversorgung durch genaues Beobachten vermieden wird. Die Welpen sollten schlank sein und nach einer Mahlzeit aktiv spielen, bevor sie sich für die Verdauung zur Ruhe legen.

 

Umzug des Welpen in das neue Zuhause

Ernährung eines Hundewelpen - von der Geburt bis zum ausgewachsenen HundZieht der Welpe nun während der 8. bis 12. Woche in sein neues Zuhause ein, bedeutet es in jedem Fall sehr viel Stress für den Hund. Möchte der neue Besitzer nun auf ein anderes Futter umstellen, sollte es in sehr kleinen Schritten erfolgen. Idealerweise bestand die Nahrung beim Züchter schon aus artgerechten, natürlichen und chemiefreien Zutaten, wie es wenige Hersteller anbieten, oder die Hunde wurden schon von Anfang an mit frischer Nahrung gebarft.

Damit wäre der Grundstein für eine gesunde Ernährung und Entwicklung gelegt, den der neue Besitzer nur weiter fortzuführen bräuchte. Auch für die Welpen in der folgenden Entwicklungsphase ist eine Nahrung, die nach der Beutetierzusammensetzung aus natürlichen Zutaten und ohne chemische Zusatzstoffe und künstliche Vitamine hergestellt wird, neben dem Barfen mit frischen Zutaten am besten geeignet.

In den ersten 6 Monaten hat der Welpe durch die enorme Wachstums- und Entwicklungsphase einen etwa doppelt so hohen Energiebedarf, wie bei den erwachsenen Tieren mit der gleichen Körpergröße. Danach sinkt er im Verhältnis zur sich verlangsamenden Wachstumsgeschwindigkeit.

Als Faustregel gilt dabei:

  • bis der Junghund ca. 40% seines Endgewichts erreicht hat, benötigt er den 2-fachen Erhaltungsbedarf eines erwachsenden Tieres, bezogen auf sein Körpergewicht
  • danach das 1,6-fache
  • und wenn der Hund ca. 80% seines zu erwartenden Gewichts erreicht hat, benötigt er nur noch das 1,2-fache des Erhaltungsbedarfs

WICHTIG: In jedem Fall sollte eine übermäßige Energieversorgung , besonders bei großwüchsigen Rassen, vermieden werden! Die Größe eines jeden Hundes ist genetisch festgelegt, daran kann über die Nahrungszufuhr nichts geändert werden.

Durch eine übermäßige Energiezufuhr über die Nahrung kann allerdings die Wachstumsgeschwindigkeit beeinflusst werden, sodass bei einer Überversorgung der Hund schneller seine Endgröße erreicht. Das hat zur Folge, dass sich die Knochen zwar in der Größe ausbilden, aber die Stabilität ist nicht mehr so gegeben, sodass es zu Skelettmissbildungen kommen kann. Ein weiterer Grund für Knochenwachstumsstörungen kann eine übermäßige Zufuhr von Calcium  sein. Es besteht zwar vor allem bis ca. zum 6. Lebensmonat ein erhöhter Calciumbedarf, der aber durch die erhöhte Nahrungsmenge und einem Calcium/Phosphor-Verhältnis von 1,5 : 1 abgedeckt wird. Zusätzliche Calciumgaben können eher schädlich sein.

Das Augenmerk sollte vielmehr auf einer erhöhten Eiweißzufuhr liegen, die nachweislich nicht zu einem schnelleren Wachstum des Welpen führt, wie man manchmal lesen kann, sondern für den Aufbau der Körpersubstanz die nötigen essentiellen Aminosäuren liefert. Dabei spielt vor allem die Qualität des Eiweißes eine ganz entscheidende Rolle. Es sollte aus hoch verdaulicher tierischer Quelle stammen, siehe auch meinen Beitrag „Wie ist ein artgerechtes Hundefutter zusammengesetzt?“

Hier noch einmal zusammengefasst die wichtigsten Fütterungsempfehlungen für heranwachsende Hunde in der Praxis, die für den neuen Besitzer relevant sind:

  • eine hoch verdauliche, natürliche und chemiefreie Nahrung mit einem angepassten Ca/P – Verhältnis von 1,5 : 1 und einem angepassten Eiweiß- und Energiegehalt
  • man sollte restriktiv füttern, also die Nahrung nicht zur freien Verfügung stellen, um Übergewicht und ein zu schnelles Wachstum zu verhindern
  • vom 4. bis 6. Lebensmonat 3 bis 4 Mahlzeiten täglich, danach kann auf 2 Mahlzeiten reduziert werden
  • man sollte nur die für die betreffende Rasse durchschnittlichen Wachstumsraten anstreben und dementsprechend füttern
  • täglich für ausreichend Bewegung sorgen, aber Überbelastung vermeiden
  • einer ausgewogenen Nahrung keine Nährstoffergänzung zufügen
  • nur hochwertige, chemiefreie Leckerchen verwenden und sie in die Energieberechnung mit einbeziehen


Noch ein wichtiger Aspekt zum Schluss:

Mit einer gesunden, natürlichen Nahrung kann man vielen ernährungsbedingten Erkrankungen, wie z.B. Übergewicht, Allergien, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Diabetes, Leber- und Nierenproblemen, manchen Krebsarten etc. vorbeugen. Es gibt aber schon Hinweise darauf, dass das Risiko für die Entstehung einer Allergie von dem Muttertier auf die Nachkommen mehrerer Generationen vererbt werden kann. Daher ist es extrem wichtig, dass auf eine gesunde, chemiefreie Ernährung des Muttertieres geachtet wird, wenn sie Welpen bekommen soll.

 

Fazit:

Ernährung eines Hundewelpen - von der Geburt bis zum ausgewachsenen HundWie in dem Beitrag ausführlich erläutert, beginnt die gesunde Ernährung der Welpen schon im Mutterleib. Während die Versorgung in den ersten Lebenswochen im Regelfall nur der Hündin vorbehalten ist, kann der Züchter aber wiederum den Ernährungszustand der Mutterhündin beeinflussen. Wir als Halter sind erst später in die Ernährung der Welpen involviert.

Beachten wir dabei die oben aufgeführten Punkte, so tun wir unser bestes, um dem kleinen Welpen eine gute Entwicklung angedeihen zu lassen, sodass er die besten Voraussetzungen für ein gesundes Leben hat – zumindest von der Ernährungsseite her betrachtet.

Wenn Sie an einer Empfehlung für eine natürliche, artgerechte und chemiefreie Welpen/Junghund-Nahrung interessiert sind, schreiben Sie mich gerne für eine kostenlose Beratung per Email an oder verwenden Sie das Kontaktformular.

Alles Liebe für Sie und Ihre Fellnase
Tanja


Tanja

Hallo, ich bin Tanja , zertifizierte Ernährungs- und Diätberaterin ATN für Hunde und Katzen. Auf diesem Blog möchte ich die Zusammenhänge einer natürlichen, artgerechten und gesunden Ernährung anhand verschiedener Ernährungsthemen verständlich erklären und Ihnen die natürliche Ernährung Ihrer Tiere wieder näher bringen. Dabei habe ich mich auf die Beratung mit chemiefreien Naturkostmenüs in Beutetierzusammensetzung spezialisiert, da sich nicht jeder das Wissen für eine selbst zusammengestellte Mahlzeit aneignen möchte oder kann, und es sehr schwer ist, sich in dem Futtermitteldschungel zurecht zu finden.

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